Autor Thema: SCSI2SD  (Gelesen 766 mal)

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SCSI2SD
« am: Fr 01.11.2019, 20:15:31 »
Ich mache hier mal einen neuen Thread zu SCSI2SD auf, damit Leute, die sich dafür interessieren, nicht großartig herumsuchen müssen. Außerdem gehört es eher hier hin als in den allgemeinen Hardware-Bereich. Alle Angaben beziehen sich auf die Verwendung als Ersatz für die interne Festplatte in einem Mega STE.

Viele stören sich ja an der Geräuschentwicklung der SCSI-Festplatten und da ist SCSI2SD in meinen Augen eine gute Alternative. So ging es mir auch und deshalb habe ich mir einfach mal diesen Adapter in der Version 5.1 bestellt.

Eins vorab: Egal, welche SD-Karte man einsetzt, die Geschwindigkeit einer etwa zwanzig Jahre alten SCSI-Platte wird nicht erreicht. Mit den üblichen Platten aus der Zeit um 1990 ist das ganze aber durchaus vergleichbar.

Ich habe nach einer leisen internen SD-Lösung für meinen Mega STE gesucht. Ein externes UltraSatan hatte ich bereits. Um das ohne großen Aufwand weiter nutzen zu können, kamen interne Lösungen mit UltraSatan oder Gigafile nicht in Betracht.

Vor dem Einbau muss SCSI2SD einmal eingerichtet werden. Dazu wird das Gerät mit einem USB-Kabel (Micro-USB-Anschluss) an den PC angeschlossen und das Konfigurationsprogramm scsi2sd-util.exe (Windows) gestartet. Hier gibt es alle benötigten Programme und die aktuelle Firmware:

http://www.codesrc.com/files/scsi2sd/latest

Auf dem Kartenreiter "General Settings" muss der Haken "Enable SCSI terminator" gesetzt werden, alle anderen Felder bleiben nicht angehakt. "Device 1" ist die SD-Karte. Hier können alle Einstellungen so belassen werden, wie sie sind. Lediglich die Größe muss auf 1 GB begrenzt werden (Sector size = 512, Sector count = 2097152, Device size = 1 GB).

Mit der Software kann auch die aktuelle Firmware aufgespielt werden, die an gleicher Stelle heruntergeladen werden kann.

Zum Einbau:

Die Bohrungen entsprechen denen einer 2,5"-Festplatte. Man kann also eine handelsübliche 2,5/3,5"-Montageplatte verwenden, aber Vorsicht: der Adapter ist etwas breiter als eine Festplatte. Senkrechte Montagelaschen müssen umgebogen werden. Aber es gibt auch Platten für ausschließlich aufrechte Verschraubung. Die Bohrlöcher sind passend für M3-Schrauben. Man braucht aber noch Distanzhülsen. 10 Millimeter Distanzhülsen in Verbindung mit 18 oder 20 Millimeter Schrauben passen perfekt.

Unter der SMD-LED sind zwei mit "LED" beschriftete Löcher, wo man eine zweipolige Pfosten-"Leiste" auflöten kann, um die LED des Atari anzuschließen. Wenn man auf die Platine schaut und die SMD-LED rechts unten in der Ecke liegt, gehört die Kathode rechts angeschlossen.

Nun zu meinen Messwerten. Wie oben bereits erwähnt, kann SCSI2SD mit halbwegs modernen Platten nicht ganz mithalten. Ich verwende eine Samsung PRO Plus 32 GB-Karte (Class 10 U3). Die Karten erreichen mit keiner Atari-Hardware die Geschwindigkeiten, die am PC erzielt werden. Hier bremst das SCSI2SD aber nochmals.

Ich habe verschiedene Tests durchgeführt und mit der bisher eingebauten IBM UltraStar (Ultrastar 36LZX DDYS-T18350; 18,3 GB; 10.000/min; Baujahr 2000; Leerlaufgeräusch knapp 40 dB!) verglichen:

1. Labortest - Pera Putniks Performance-Tester (AHPT):
                             SCSI2SD   Festplatte
Access time ACSI (ms)        2,8       5,7
Transfer rate ACSI (B/s)     692       1.297
Access time GEMDOS (ms)      8,6       8,8
Transfer rate GEMDOS (B/s)   683       1.207
Combined R/W short (B/s)     51/14     65/18
Combined R/W med (B/s)       416/206   689/273
Combined R/W long (B/s)      656/581   1190/898

2. Praxistest - Kopieren eines gut gefüllten Ordners (11.326.142 Bytes, 314 Ordner, 798 Dateien unterschiedlicher Größe, überwiegend kleine unter 10 KB)
                             SCSI2SD   Festplatte
Ordnerinfo (s)               10,9      9,5
Löschen (min)                1:25      1:13
D -> C (min)                 3:39      2:57
D -> D (min)                 3:49      3:08
D -> M (min)                 4:49      4:37
M -> D (min)                 3:48      3:17

C und D sind Partitionen auf der Festplatte bzw. SCSI2SD, M ist eine Partition auf einer SD-Karte (SanDisk Ultra 16 GB, Class 10, A1) im externen UltraSatan. Die Zeiten sind handgestoppt.

Mein Fazit: Für Speed-Junkies ist SCSI2SD eher nichts, für Freunde einer angenehmen akustischen Umgebung lohnt sich der Umstieg schon. Ich bin zufrieden und genieße das sanfte Rauschen des Lüfters ohne störende Kreissäge.

Interessant wären für mich Erfahrungen mit SCSI2SD Version 6, das deutlich mehr Durchsatz verspricht (bis 10 MB/s gegenüber 1,1 bzw. theoretisch 2,5 MB/s). Aber ob das in der Praxis am Atari auch so deutlich ist, ist die Frage.