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Löttechnik / Lötstation - was brauche ich zum basteln

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guest2696:
Hallo Arthur,

bin ganz begeistert von deinem Fundstück! - Auch wenn Elektronik 30 Jahre später zum Wegwerf-Artikel verkommen ist und Bauteile in Handys und Notebooks heutzutage nicht mehr größer als ein 'Fliegendreck' sind, dann kann sich glücklich schätzen, wer die hier beschriebenen Grundlagen und Grundfertigkeiten beherrscht!

Gruß soldermaSTer

Arthur:
Find das Buch auch klasse. Kann man zu 50-60% auch auf für die Ataris benutzen und nicht nur für die Spielhallenautomaten.  :D

Arthur:
Je nachdem was man für Projekte man gerade angehen möchte tut's ein einfacher Lötkolben auch nicht immer. Das Internet und Youtube sind voll mit Tipps und Tricks die einen manchmal dabei nützlich sein können.

Wer z.B. PCI- oder ISA-Slots für eigene Projekte benötig kann diese natürlich für Geld erwerben...aber viele haben auch noch ein altes Mainboard im Keller herum fliegen, das nur darauf wartet sinnvoll recycelt zu werden. In den besagten Videos kommt das Mainboard z.B. für einige Minuten in den gut vorgeheizten Backofen (ist kein Scherz) bei Oberhitze und nach zwei - drei Minuten können die Teile problemlos "abgeklopft" werden. Diese Methode wird aber niemand für seinen Atari verwenden wenn eine CPU oder ein Blitter etc. entlötet werden soll. Mit einer Heißluft oder Reworkstation, die ja einige von euch auch schon haben, läßt sich so etwas (mit etwas Übung natürlich) bewerkstelligen.

Hier ist z.B. das Model das ich mir in der Bucht für knapp 80€ incl. Porto geschossen haben.Quelle: www.ebay.de
Auch das Einlöten von "Tausenfüßlern" sollte mit so einer Station und einer guten SMD-Lötpaste möglich sein. Ich werde demnächst mal einige Bauteile von einem schon betagten Mainboard herunter rupfen um dafür ein Gefühl zu bekommen.

An die Cracks unter euch: Reicht eine SMD-Lötpaste allein aus oder wird noch seperat eine Flussmittelpaste zum Löten benötigt?

Gruß Arthur

Gast120501:
Arthur fragte: An die Cracks unter euch: Reicht eine SMD-Lötpaste allein aus oder wird noch seperat eine Flussmittelpaste zum Löten benötigt?

Ein bischen aus meinem SMD-Löt-Nähkästchen:

Ganz vorneweg: Man sollte eine geregelte Lötstation mit auswechselbaren Spitzen haben. je nach Lötzinn sollte sie auf 230-250 °C eingestellt sein (Lötzinn mit / ohne Blei).

Nützlches Werkzeug, was man sich selbst basteln kann: Man nehme ein Stäbchen aus dem Chinarestaurant und eine Stecknadel. Man legt die Stecknadel am Ende des Stäbchens an so, dass etwa ein halber cm der Stecknadel am Ende des Stäbchens überdeckt und umwickelt Stecknadel und Stäbchen fest mit blankem Draht. Dann Stecknadel und Draht verlöten. Damit erhält man eine gut führbare sehr spitze Sonde, mit der man einzelne Pins von SMD-Bausteinen auf korrekten Sitz prüfen kann, einfach über die Pins drüber streifen, wenn einer oder mehrere locker sind, kann man das hören, weil sie federn.

Wie ich SMD-Tausendfüßler einlöte, oder nachlöte, wie zuletzt bei einem 12 Jahre alten IBM Thinkpad (Pentium III, aber mit Floppylaufwerk, also für ATARI-Zeugs unabdingbar) der SODIMM-Sockel, der Wackelkontakt hatte.

Wenn der Chip neu aufgelötet werden soll, Nachlöten siehe ab Schritt - die Vorbereitung aber auch machen!

1. Vorbereitung die man immer machen sollte, ähnlich wie bei einer Operation im Krankenhaus:
- Papier nehmen, Tesafilm nehmen
- Mit dem Papier und dem Klebeband die Platine rund um die Lötstelle großflächig abkleben, so dass kein Lötzinn wo hin laufen kann, wo es nicht hin soll. Ähnlich wie auf dem Operationstisch schaut von der Platine nur der Teil heraus, der auch gelötet werdem soll. Es darf KEINE Lücke zwischen dem Papierausschnitt und der Platine sein, und es sollte zwischen dem Tesafilm und den Lötstellen möglichst viel Platz sein. Es sollten in dem Ausschnitt möglichst keine anderen Bauteile sein, einzelne SMD-Widerstände etc am besten absolut dicht mit Tesa überkleben.
- Heißer Lötkolben mit einer 1-2 mm breiter Spitze, Spitze im nasen Schwamm reinigen gut verzinnen - diesen Schritt zwischendurch immer wieder mal wiederholen

2. Kontaktflächen auf der Platine großzügig verzinnen. Dabei DARF es auch zu Kurzschlüssen zwischen den Kontakten kommen.
3. Platine senkrecht in die Höhe halten und mit dem Lötkolben, dessen Lötspitze schräg nach oben zeigt, die Kontaktreihe von oben nach unten abfahren. Dabei nimmt der Lötkolben mittels Schwerkraft und Oberflächgenspannung überflüssiges Lötzinn mit, das überflüssige Lötzimm läuft an der Lötspitze entlang und tropft eventuell auch ab - deswegen die großzügige Abdeckung der Platine. Aufpassen, dass einem das Lötzinn nicht auf die Kleidung oder Haut tropft...
4. Platine um 90° drehen um 3 für weitere Kontaktreihen des Chips wiederholen, bis alle Kontaktreihen verzinnt sind.
5. Den einzulötenden Chip vorbereiten: Auf den Kopf legen, also Bedruckung nach unten. Die Beinchen an den Ecken verzinnen - Kurzschlüsse sind dabei egal.
6. Den Chip punktgenau auf den Kontakten positionieren und die verzinnten Eckpins festlöten, dazu mit dem Lötkolben einfach oben auf die Beinchen. Kurzschlüsse sind erstmal egal. Zwischendurch immer wieder die Lage des Chips auf den Kontakten prüfen.
7. Abkühlen lassen.
8. Jetzt kommt das Meisterstück
9. Eine Kontaktseite des Chips ruhig großzügig verzinnen, Kurzschlüsse sind erstmal egal.
10. Der eine oder andere ahnt es schon: Platine senkrecht nach oben halten, Lötkolben schräg nach oben und wie oben das Lötzinn abstreifen und mitnehmen.
11. Schritt 9-10 für alle Kontaktseiten wiederholen.
12. Mit dem bloßen Auge, Lupe oder Fadenzähler prüfen, dass keine Kurzschlüsse da sind. Mit der oben beschriebenen Sonde schräg über die Pins des SMD-Chips streifen, dabei ruhig etwas drücken. Wenn noch Pins locker sind oder Kurzschlüsse da sind, zurück zu Schritt 9.

Die Schritte 9-12 kann man mit einem defekten PC-Mainboard schonmal vorab üben bis man es "drauf" hat, es finden sich darauf genug "Opfer" an denen man sich versuchen kann.

Das liest sich erstmal haarsträubend, ich kann euch da durchaus verstehen, aber während meines Studiums habe ich wo gejobbt, wo das von chinesischen bzw. taiwanesischen Elektronikern bei der Mainboardreparatur genau so gemacht wurde, und ich habe das von denen so gelernt und dann bei Personalengpässen da auch in der Bopardreparatur mitgeholfen - mit einer entsprechenden Maschine habe ich auch BGA gelötet. Und mit ein wenig Übung klappt das echt gut.

Der Trick liegt in der Schwerkraft und der Oberflächenspannung von flüssigem Lötzinn, das muss man nur zu nutzen wissen.

Trick für SMD-Widerstände: Sekundenkleber, ein winziges Tröpfchen auf die Spitze einer Stecknadel und den SMD-Widerstand so in der Mitte zwischen den Kontakten ein bischen davon geben und ihn mit der Pinzette auf der Platine festkleben und ein paar Sekunden warten. Dann die Kontakte festlöten, erst eine Seite, dann erkalten lassen, dann die andere Seite, beim Löten muss man aber sehr fix sein, damit die andere Seite nicht wieder zu heiß wird. Dabei verdampft normalerweise der Sekundenkleber wieder. So wirds übrigens auch teilweise in der Industrie in den maschinellen Lötbädern gemacht.

Weitere Tricks zum Auslöten von DIL-Chips - ohne abpetzen oder abdremeln:

1. Von Weller gibts/gabs kleine Entlödbäder, die sehen aus wie ein kleiner Kochtopf mit einem verkleideten Trafo drunter. Da muss nur ordentlich Lötzinn rein, bis zum Rand. Erhitzen, Platine auflegen, oben mit Pinzette oder langer Zange den Chip oder defekten Sockel abheben, Platine vom Entlötbad runter. Dann solange die Platine noch warm ist mit Lötkolben und Entlötpumpe die Löcher aufsaugen. Das ist die Methode für die, die sowas sehr oft machen und entsprechend investieren können.

Bemerkung: Wenn auf der Unterseite der Platine SMD-Bauteile im Weg sind, muss man die erst wegmachen und später wieder hinsetzen. Siehe auch Tipp oben.

2. Es gibt auch elektrische Entlötstationen, bei denen Lötkolben und Absaugpumpe zusammen sind, die auf Knopfdruck elektrisch saugen, ist aber auch sehr teuer.

3. Lowcost mit Geduld! Mit Lötpumpe und Lötkolben das Lötzinn entfernen, zum Erhitzen dazu auch immer wieder frisches Lötzin zu den Lötstellen zugeben. Nach dem das Lötauge öffen ist, den Pin von dem Chip mit der heißen Lötspitze hin und her bewegen, bis man fühlt dass er frei ist. Wenn nötig wieder verzinnen und wieder absaugen. Mit einer Pinzette oder was ähnlichem an dem Pin rütteln, bis man hört, dass er federt, dann ist er wirklich frei. Das für jeden Pin wiederholen, bis alle frei sind. Mit entsprechend Geduld und einer geregelten Lötstation und viel zusätzlichem Lötzinn klappt das auch bei Massepins. Wenn man die Platine einspannen kann, kann man bei Massepins auch versuchen, den Pin des Chips von oben zu erhitzen und unten zu saugen. So mache ich es zuhause und habe bislang keine Platine "versaut". Entlötlitze habe ich dafür bisher nur in ganz hartnäckigen Fällen gebraucht.

Und keine Angst, solange man eine geregelte Lötstation benutzt, gehen auch beim Entlöten keine Chips durch Hitze kaputt.

Viel Erfolg!

guest2850:

--- Zitat von: oneSTone o2o am Fr 16.11.2012, 11:05:07 ---Das liest sich erstmal haarsträubend, ich kann euch da durchaus verstehen, aber während meines Studiums habe ich wo gejobbt, wo das von chinesischen bzw. taiwanesischen Elektronikern bei der Mainboardreparatur genau so gemacht wurde, und ich habe das von denen so gelernt und dann bei Personalengpässen da auch in der Bopardreparatur mitgeholfen - mit einer entsprechenden Maschine habe ich auch BGA gelötet. Und mit ein wenig Übung klappt das echt gut.

Der Trick liegt in der Schwerkraft und der Oberflächenspannung von flüssigem Lötzinn, das muss man nur zu nutzen wissen.
--- Ende Zitat ---

Eine sehr gute Anleitung!  Genau so, wie Du es beschrieben hast, habe ich es Anfang der 90er bei einem taiwanischen Computer-Hersteller gelernt.  Und ich kann nur hinzufügen, daß Übung den Meister macht.

Besten Gruß,
    T.

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