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Chipsatz- und Blitterdiskussion aus Lynxmans Basteltagebuch
czietz:
Anmerkung von Lynxman: habe diese Postings aus dem Thread "Lynxman und das Basteltagebuch" http://forum.atari-home.de/index.php?topic=13494.0 herausgenommen:
Ich kenne diese MMU im QFP-80-Gehäuse nur von Fotos und habe sie mir noch nie so genau angeguckt. Interessantes Detail: es wird immer mal wieder diskutiert, welche Halbleiterhersteller (außer IMP) die ASICs für Atari hergestellt haben. Auf dieser MMU steht es sogar drauf: es ist ein Gate-Array (also kein Full-Custom-ASIC) 5GH23 von Ricoh.
Lynxman:
--- Zitat von: czietz am Di 25.04.2017, 08:18:18 ---Ich kenne diese MMU im QFP-80-Gehäuse nur von Fotos und habe sie mir noch nie so genau angeguckt. Interessantes Detail: es wird immer mal wieder diskutiert, welche Halbleiterhersteller (außer IMP) die ASICs für Atari hergestellt haben. Auf dieser MMU steht es sogar drauf: es ist ein Gate-Array (also kein Full-Custom-ASIC) 5GH23 von Ricoh.
--- Ende Zitat ---
Glue, DMA, Shifter und MMU vor IMP waren alle die Gate-Array-Chips von Ricoh.
Ich hatte das auch mal irgendwo ein Bild von einem aufgeätzten Chip gesehen. Unter der Mikroskop Aufnahme konnte man die Ricoh Nummer sehen.
Die Chips wurden sicher bei Ricoh so hergestellt wie von Atari gewünscht.
Ich frage mich ob es für die Entwicklung die Chips auch in einer beschreibbaren Version gab.
Wenn ich zuhause bin muss ich mal googeln...
czietz:
Woher weißt Du eigentlich, dass alle Glue, DMA, Shifter und MMU vor IMP von Ricoh kamen?
Für die C02591x-38 ist das recht sicher, auch wegen des Fotos, das Du vermutlich meintest (rechte untere Ecke):
http://www.fpgaarcade.com/wp4/wp-content/uploads/2016/08/TOP-50X.jpg
Für die -20 hingegen wusste selbst ijor, der ja diese ASICs aufmacht und vom dem auch das Foto oben stammt, nicht mit Sicherheit, ob sie auch Ricoh-Gate-Arrays waren. Weißt Du mehr?
Meinen Unterlagen zufolge hat Atari für die o.g. Chips auch Designs erstellt, die auf andere ASIC-Hersteller zugeschnitten waren; ob diese jedoch je gefertigt wurden, weiß ich nicht.
Was meinst Du mit "beschreibbare Version"? Gate Arrays werden ja durch kundenspezifische Metallisierungsmasken fertiggestellt. Anders als bei EPROMs vs. ROMs gibt es dort keine Möglichkeit, eine vom Kunden programmierbare Entwicklungsversion davon zu erstellen. Sowas ist im Designprozess laut Ricoh-Datenbuch auch gar nicht vorgesehen. Atari dürfte die ASICs alle als Prototypen aus Standardlogik-ICs und PALs gebaut haben, ähnlich wie hier zu sehen: https://2.bp.blogspot.com/-dIGYXtij34I/V0QNwd0HE9I/AAAAAAAABDQ/9JTm-MRXBagKzZbobQZpp1KSYkLikgazwCLcB/s1600/atarilab-5.jpg (laut Bildunterschrift ein Prototyp eines ST).
Für ein neueres Design kann ich in den von mir wiederentdeckten Schaltplänen sogar den Schritt Prototyp -> ASIC nachvollziehen.
Gast120501:
Programmierbare Logikbausteine ähnlich wie FPGA gab es damals meines Wissens auch noch garnicht, das höchste der Gefühle waren - auch in der Massenproduktion in bezahlbar - in den 1980ern und 90ern eigentlich PAL und GALs. Oder PROMs, siehe die PLA in diversen 8-Bit-Commodores für die Adressdekodierung und Generierung diverser Chipselect-Signale (für den C64 gibts als Ersatz eine Eprom-PLA, die aber nicht ganz timing-genau ist). Noch um das Jahr 2000 herum war die Anzahl von Logikgattern in FPGAs recht überschaubar, wir haben damals an der FH einen einfachen Mealy-Automaten im Team in VHDL* gebaut (also etwa das was in einer CPU die Ablaufsteuerung für Befehlsdekodierung und Ausführung ist und durch innere und äußere Zustände sein Verhalten ändert) und mussten sehr aufpassen dass das Ding noch in den Chip reinpasste (heute bekommt man in solche Chips eine ganze 68080 CPU mit FullHD fähiger Grafik und Businterfaces, Speichercontroller usw. rein!). Für aufwändige Custom-Chips (schaut euch die Blitter-Schaltpläne die czietz ausgegraben hat, an) mussten damals noch Lithografie-Masken mit diskreten Transistoren/Dioden/Kapazitäten/Widerstandleiterbahnen zum ins Silizium reinätzen hergestellt werden, wie im Prinzip bei der Chipfertigung heute auch noch üblich, selbst um einen "leeren" FPGA zu erstellen.
* Leider habe ich ganze VHDL-Gedöns, oder war es Verlilog (?), alles wieder vergessen, hat aber mit Mentor Graphics auf einer HP-PaRisc-Workstation keinen Spaß gemacht, weil es schnarchlangsam war.
Lynxman:
--- Zitat von: czietz am Di 25.04.2017, 18:29:49 ---Woher weißt Du eigentlich, dass alle Glue, DMA, Shifter und MMU vor IMP von Ricoh kamen?
--- Ende Zitat ---
Irgendwo gelesen.
Atari hätte sicher, so wie auch beim AJAX, eine andere Nummer für einen anderen Hersteller vergeben.
Von daher ist es schlüssig. Natürlich ist es kein endgültiger Beweis.
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